LXIV · Bruchstücke
V

und siehe \ das leuchten unsrer bruchstücke \
fällt nieder \ bezeichnend / dass / Du / schon ? /
warst und kamst und fielst \ und siehe \ :
heller scheint \ als jede nacht \ die sternen-
schrift / am grund \ die alten risse \ :
sind unbekannte sprache \ und ihre schnitte / :
die wunden / die vernarbten ? \ getrocknet /
jetzt der wunden fluss ? /
das blut aber \
liegt zart auf blauem gestern / die dünne haut \
spricht silbrig jung : / : in fremden zungen \ :
ziehen wir das schichtwerk vor / und fragen /
grüne fragen // und fragen / : nicht /
die bruchlosen zeiten / : die leuchten nicht ? \
das ganze \ wäre hoffnungslos / verloren /
: wären / wir \
IV

ein dünnes Eis : des patineurs :
mit kleinen Kufen : schlitternd
über freie Flächen aus Traum
und Übermut : auf gespannten Häuten :
huscht und kreist : une petitesse :
das Innenleben der Zeichen : un petit patin :
zeichnet leise Spuren : ein rätselhaftes Glück :
was glänzt , ist tiefer , als es scheint :
das Innenleben der Sterne : das Herzstück :
unserer Wünsche : des petits rêves : auf dünnen
Häuten : gespanntes Fehlen : eines Manifesten :
Du lässt Dich gleiten : in stille Ahnungen :
der Pirouetten , des Sprungs auf dünnem Eis :
das niemals bricht : und unter dem : die heißen
Ströme Kreise ziehen : das Inwendige :
Dein Traum :
III

und Du
?
brichst auf
: was nimmst Du mit
? : das Meer und Salz : Erinnerung an süße Stunden
? : Gefäße : zu halten : ein Licht , in dunklen Stunden
? : Gefäße : zu halten : der süßen Stunden Lebenslicht
? : Gefäße : zu halten : den rauschenden Glanz
? zu halten : erinnertes Leben
? zu fassen : erneuertes Leben
?
aufzubrechen : ins Vage : wagen : aufzubrechen :
die alten Tage : auszulösen : Bruchstücke : zu lösen :
zu halten : Dein Leben
? :
II

\es klagt das Herz : Sirenen schreien ,
\ es schreit das Herz : mit jeder Welle
\ erzittern zarte Herzgewächse , ergrünt ,
\ erblüht in lauten Tagen , und doch :
\ entfernt vom Lärmen dieser Tage :
beschützt vom Wall : erbaut aus jenem feinen
Sand , der alle Fluten fing und jedem Sturm
die Leichtigkeit entgegenhielt : das Funkeln
seiner lichtdurchsetzten Tage
beschützt : von leiser Melodie : geformt
aus jenem warmen Hauch , der Atem gab ,
wo Luft geraubt – geformt aus schwebenden
Worten , in denen jeder Klang gefiedert war :
in ferne Lande trug :
die hier sind – und nicht dort : im Dunkel
kalter Nacht
ach , klage Herz , ach : schrei – es heulen die Sirenen –
ach , formt : ihr Hände , formt : ihr Herzen ,
ach , baut den Wall : : die Herzen im Sand : :
dass wieder wächst und blüht : ein stiller Traum ,
dass wieder tanzt und springt : Dein leiser Fuß
um altes , neues Glück : : הארצן אין זאמד : :
I


\ wie Kinder am Rande : des Unverständlichen \
\ stehen auch wir : Hand in Hand : in den übergroßen Gärten :
/ unseres kleinen Jetzt und Gleich : den Palästen unserer Zeiten /
// bestaunen Bauwerke : rückgehend :
/ auf Jahrmilliarden : erbaut aber : im Nu //
/ nur kurz , aber , nur kurz verweilen : unsre Träume :
\ springen unsere Blicke gemeinsam von dieser Scholle
| zu jener | und fühlen diesen Boden , der bald
nicht mehr ist || schon jetzt : erzittert eine flüchtige Feste
unter der schwebenden Hitze unserer fragenden Herzen :
/ ach , lass uns leichte Kugeln formen : aus diesem kurzen Nu :
— werfen wir dann unser Glück mit Kinderhänden weit hinaus :
— bleibt es liegen , funkelt im neuerwachenden Morgen , jenem , der :
Erstarrung löst ? / und unser Glück hinab zu warmen Gründen trägt ?
— bleibt es am Grund , als Bruchstück , Perlgewächs und Kinderspiel ?
die Steinchen unsres Händespiels ? / des Glücksspiels , unsrer Liebe ? /
// komm : werfe : wir geben uns hin :
formen : was wir nicht verstehen \ :

